MISFITS, The OTHER & ROSTOK VAMPIRES
19.07.2004
Live-Arena, Münster-Breitefeld
Band-Links: www.misfits.com www.the-other.de


Kaum an der Live-Arena, die mitten im Niemandsland liegt, angekommen, treffen wir auch schon auf Misfits-Frontmann Jerry Only, der in Bodybuilder-Pose auf einem Betonklotz im Schatten sitzt und mit Mutti sowie seiner Tochter telefoniert. Nachdem das erledigt war, unterhält sich das letzte Überbleibsel der legendären Horrorpunks mit uns, posiert geduldig für Fotos und signiert so ziemlich alles, T-Shirts bevorzugt (…). Von soviel Freundlichkeit bin ich doch ein bisschen überrascht. Der musikalische Teil des Abends beginnt mit den „Rostok Vampires“, die kaum jemand zu kennen scheint und eigentlich auch nicht weiter erwähnenswert sind. Die Bar und der Merchandise-Stand (Marky Ramones’ ONLY leather jacket for 1000 €!) erscheinen uns da interessanter.

Bei der nächsten Band, “The Other”, sieht das natürlich anders aus, und so begeben wir uns in die erste Reihe, um schon mal perfekt auf die Misfits eingestimmt zu werden. Roderick Usher (voc), Andy Only, (bass), Sargeant von Rock (git) und Dr. Caligari (dr) legen mit “Return of the Repressed” los. Die ersten Reihen bestehen fast ausschließlich aus Fans von Fiendclub.de, die zum Teil weite Strecken zurückgelegt haben. Das hindert natürlich nicht am Feiern, wobei man bei Songs wie „Tarantula“ sowieso nicht still stehen kann. Erwartungsgemäß kommen „Beware of Ghouls“ vom „This is Horrorpunk“-Sampler und „Hyde Inside“ als die bis dato bekanntesten Stücke der deutschen Band am Besten an, doch auch mit „666“ (einer meiner persönlichen Favoriten) braucht sich der Vierer absolut nicht verstecken. Mit „Dead Boys“ endet das Set schließlich. Als die Altherren-Gang, bestehend aus Jerry (voc, bass), Dez Cadena (git) und Marky Ramone (dr), endlich die Bühne betritt, bricht endgültig die Hölle los. Jerry hat inzwischen Jogginghose gegen gewohntes Bühnenoutfit eingetauscht. Der Opener „Hybrid Moments“ donnert zwar mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit aus den Boxen, doch die Menge kennt kein Halten mehr, und es wird ordentlich gepogt, gebangt und mitgegröhlt. Mittlerweile haben die Temperaturen Sauna-Niveau erreicht, es wird gedived wie wild, und vor allem ist es eine wahre Freude, Songs wie „Teenages from Mars“, „Attitude“, „Astro Zombies“ und natürlich „Halloween“ serviert zu bekommen. Der Klassiker „Last Caress“ kommt genial, „20 Eyes“ lässt auch keine Wünsche offen. Extrem geil ist „Skulls“, bei dem sich Jerry Roderick Usher, angekündigt als „My brother from The Other“, als Gastsänger auf die Bühne holt. Aus der Graves-Ära hat sich die Band unter anderem „Dig up her bones“, „Helena“ und „Kong at the gates“ ausgesucht. Von „Project 1950“ hat es „This magic moment“ auf die Setlist geschafft. Dez Cadena hat seinen persönlichen Auftritt im Rampenlicht bei „Rise Above“ von Black Flag, von den Ramones gibt’s die unausweichlichen Hits wie „Sheena is a punkrocker“, „Blitzkrieg Bop“, „Teenage Lobotomy“ und „The KKK… my baby away“. Bei „We are 138“ und „Die die my darling“ gibt das Publikum noch mal alles. Ebenfalls volles Brett kriegen die Fans beim letzten Song, „Death comes ripping“, bei dem meine Nackenmuskeln endgültig aufgeben und bei jeder Bewegung fies knacken. Jerry Only ist kein begnadeter Sänger und erst recht kein Glenn Danzig, viele der Songs waren viel zu schnell gespielt, die Setlist war nicht besonders abwechslungsreich nach „alt – neu – Ramones“ durchstrukturiert, doch trotzdem war es ein Riesenspaß, die Legende - oder was davon übrig ist - live zu erleben. Wer keine technische Brillianz, sondern einfach eine Megaparty haben will, ist bei den Misfits genau richtig.

(Hanna Schlüter, Juli 2004)