DANZIG
21.08.2004
Abtsgmünd
Band-Link: www.danzig-verotik.com

Zu Anfang gab es eine derbe Enttäuschung für die Fans. Nach stundenlangem Ausharren im Regen und Verschieben der Autogrammstunde am Metal Hammer-Bus hieß es dann: Glenn Danzig hat keine Lust, Hände zu schütteln und diverse Shirts, Poster und Platten zu signieren. Dementsprechend gefrustet wartete man schließlich auf den Beginn der Show, die letzte, die „Danzig“ in Deutschland gibt, bevor der Meister eine Tourpause auf unbestimmte Zeit einläutet. Mit geringer Verspätung legen Prongs Tommy Victor an der Gitarre, Bassist Jerry Montano und Drummer Bevan Davies dann mit dem Instrumental der kommenden Scheibe „Circle of Snakes“, „Wotans Procession“, los. Der Sound, der aus den Boxen dröhnt, ist allerdings viel zu basslastig und absolut mies. Das ändert sich auch nicht, als Glenn Danzig endlich die Bühne betritt und „Skin Carver“, ebenfalls vom neuen Album, und „Satans Child“ zum Besten gibt. Besonders „Black Mass“ vom siebten Studioalbum „I Luciferi“ klingt grauenvoll verwurstet.

Nach einer Weile bekommt der Mensch am Mischpult die Sache jedoch in den Griff, und sofort wird klar, warum man für einen Danzig-Gig fast 1000 Kilometer zurücklegt und zu fünft im Auto übernachtet. „How The Gods Kill“ erzeugt Gänsehaut und beschwört atemberaubende Atmosphäre herauf, obwohl Tommy Victor das Intro zu kurz spielt. Glenn überzeugt voll und ganz mit stimmlichen Qualitäten, die ihm so mancher schon abgesprochen hatte. Auch „Her Black Wings“ vom zweiten Danzig-Album „Lucifuge“ kommt genial. Die Hardcore-Fans in den ersten Reihen grölen, was die Lungen hergeben, und Glenn, wie gewohnt in Netzhemd und schwarzer Jeans, freut’s sichtlich. Der Titeltrack von „Circle of Snakes“ kann sich live sehen lassen, doch Abräumer sind alte Klassiker wie „Do you wear the mark?“ und „Bringer of Death“ vom vierten Album, bei dem die Fans alles geben.

Erst seit kurzer Zeit auf der Setlist ist „It’s Coming Down“. Keine Überraschung für die, die sich über die kürzlich in den USA stattgefundenen Konzerte informiert haben, doch trotzdem ein Genuss, den selten gespielten Song live zu erleben. Von „Satans Child“ gibt es noch „Unspeakable“, doch größtenteils konzentriert sich die Band auf Gassenhauer wie „Twist of Cain“ und „Call on the Dark“. Bei „Mother“ ist die Publikumsresonanz erwartungsgemäß am Größten. Endlich singt so ziemlich jeder mit und feiert den charismatischen Sänger, der die Menge jeder Zeit in seinen Bann zu ziehen versteht, noch einmal richtig ab. Der lässt sich trotz technischer Probleme mit Tommy Victors Gitarre zu Zugaben hinreißen, und „Am I Demon?“ und das superstarke „Dirty Black Summer“ beenden ein fantastisches Konzert von einem gut gelaunten Glenn Danzig, der es den Kritikern richtig zeigte und für das verpasste Signing mehr als entschädigte. Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass nach der Blackest of the Black-Tour in Amerikaeine lange Durststecke folgen wird, bevor der Meister wieder eine Bühne betritt.

(Hanna Schlüter, September 2004)