AXEL RUDI PELL & MAD MAX

25.04.2012
Saarbrücken, "Garage"

Bandlinks:
www.axel-rudi-pell.de
www.madmaxofficial.de/

Der Meister rief und (fast) alle kamen. Axel Rudi Pell, Gitarrist, Ruhrpott Urgestein, Strat & Blackmore Fan beehrte gemeinsam mit seiner Band letzten Mittwoch zum ersten Mal überhaupt das Saarland und gab ein Konzert der Extraklasse. Circa 500 Rock und Metalfans wollten sich das Hardrock Spektakel in der gut gefüllten Saarbrücker Garage nicht entgehen lassen, wobei der ein oder andere Hardrock/Metalfan sich von dem sicherlich etwas überzogenen Eintrittspreis von 35,-€ an der Abendkasse abschrecken liess. Bekam man doch für sein sauer verdientes Geld lediglich einen Support in Form der in den 80ern sehr aktiven MAD MAX zu hören, die wären da auch besser geblieben, aber dazu gleich mehr. In puncto Bandpackage machen das andere Bookingagenturen deutlich besser und schnüren ein 4er Konzi zu unter 30,-€ ("Wolfsnächte").

Der erfahrene Konzertgänger weiß wenn jemand vorne auf der Bühne mit der Taschenlampe in Richtung Mischpult fuchtelt wirds wohl gleich losgehn. Gegen 19:40 Uhr ist es dann auch soweit und MAD MAX entern behäbig die Bühne. "Die sind ja auch alle schon über 40" mag man sich jetzt denken, aber ein bisschen mehr Enthusiasmus darfs dann doch schon sein. Das ganze Set um Frontmann und Rhythmusgitarrist Michael Voss streckt sich dann auch wie Kaugummi. Das liegt mitunter auch an den kitschigen und arg klischeehaften, ja fast schon bieder wirkenden Songs. Die Münsteraner präsentieren einen Querschnitt aus ihrer bisherigen Schaffensphase und haben auch neues Material in Form ihrer kürzlich veröffentlichen CD "Another night of passion" mit im Set. Leider geben die Songs viel zu wenig her als dass man hier von "Leidenschaft" reden könnte. Sicher, die Band spielt solide und auch die Stimme von Voss ist angenehm, doch passiert viel zu wenig auf der Bühne. Von "dem Publikum einheizen" kann hier wirklich keine Rede sein. So ist der Großteil der Zuschauer auch froh darüber dass nach 45 Minuten Schluss ist

Dass es auch anders geht beweisen dann Axel Rudi Pell und seine Mannen. Pünktlich um 21 Uhr knallt das Intro "Guillotine Suite" aus den Boxen und die Band legt gleich mit einem neuen Song ("Ghost In The Black") des mittlerweile 21.(!) Albums "Circle Of The Oath" von ARP los als wäre der Teufel persönlich hinter ihnen her. Allen voran Sänger Jonny Gioeli, der wie von der Tarantel gestochen über die Bühne rennt, alles und jeden im Publikum sofort durch seine charismatische Art und seinen genialen Gesang in seinen Bann zieht und bis zum Ende des Konzerts nicht mehr loslässt und kein bisschen schwächelt. Respekt! Er ist nunmal eine richtige Rampensau, im positiven Sinne natürlich. Daneben wirkt der Namensgeber der Band Axel Rudi Pell schon fast (zu) ruhig und bescheiden. Stoisch wie ein Ritchie Blackmore (nur ohne dessen Exzentrik) entlockt er seiner Strat wunderschöne Solis und Riffs die im Ohr hängenbleiben. Zu Mike Terrana an den Drums muss man ja kaum noch was schreiben. Dass dieser Mann polarisiert ist durchaus gewünscht. Entweder man liebt seine Art zu spielen oder nicht. Es gibt auch kritische Stimmen die behaupten er würde aufgrund seiner brutalen Art die Felle zu bearbeiten nicht zu ARP reinpassen. Davon war letzten Mittwoch jedoch nichts zu spüren. Im Gegenteil, ich war angenehm überrascht denn im Gegensatz zu dem ARP Gig den ich vor 2 Jahren in Karlsruhe im Vorprogramm von "Heaven And Hell" (R.I.P. Ronnie) erleben durfte lagen hier spieltechnisch Welten. Anscheinend hat er seinen Stil ein wenig angepasst denn es klingt und wirkt alles wie aus einem Guß, die Fills passen stilistisch. Die neuen als auch die "alten" Songs werden exzellent dargeboten. Dass das "Tier" während des Sets scheinbar nicht ausgelastet genug ist zeigen seine Showeinlagen mit den Drumsticks. Mit den Kunststücken könnte der Mann auch im Zirkus auftreten. Genial. Ein Highlight natürlich dann auch das Drumsolo bei dem Terrana zu den Klängen des "French Can Can" alles zeigt was er kann. Ferdy Doernberg an den Keys besticht mit exzellenten Backing Vocals und schönen Flächen. Volker Krawczak am Bass ist leider kaum zu hören, seine Klänge verschwinden irgendwo im Nirvana der Saarbrücker Garage. Das ist aber auch der einzige soundtechnische Kritikpunkt der anzumerken wäre. Spielzeit- und Setlistentechnisch hätte man durchaus auch den ein oder anderen Song mehr spielen und den Zeitrahmen in der Garage voll ausnutzen können (bis 23.00 Uhr) Stattdessen bekommen die Fans noch ein meiner Meinung nach unnötiges Keyboardsolo und nur eine Zugabe "Rock The Nation" zu hören. Nach 95 Minuten ist dann Schluss und 99% der Zuhörer verlassen die Garage mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht. Auch die Band schien mit den Saarländern sehr zufrieden denn man versprach ein Wiedersehen bei der nächsten Tour. Aber dann mal bitte auch was von der 'Eternal Prisoner' spielen...

Setlist ARP:
01. Guillotine Suite
02. Strong As A Rock
03. Before I Die
04. Masquerade/Casbah/Dreaming Dead (inkl. ein wenig "Whole Lotta Love")
05. Drum Solo
06. Mystica (inkl. "Mistreated" von Deep Purple)
07. Circle Of The Oath
08. Oceans Of Time
09. Fool Fool
10. Keyboard Solo
11. Carousel
Zugabe:
12. Rock The Nation

Bericht: Frank Beck
Photos: Franco Schillacci